Die Entscheidung für eine Schraube wird nicht nur durch ihre Funktionalität bestimmt, die Schraube selbst wird immer mehr zum Design-Faktor.
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DIN- und Normteile im Fokus der 35. Folge des „Bossard Expert Talk“
Ein „Ingenieurs-Inspirationspodcast“ mit Tobias Klöden und Denis Heinrich

Auch wenn alles vor über hundert Jahren mit „08/15“ angefangen hat, so sind DIN- und Normteile alles andere als „08/15“ und aktueller denn je. Warum Normungen in der Schraubtechnik so wichtig sind, und wie eine normfreie Welt aussehen würde, auch davon handelt die 35. Folge des „Bossard Expert Talk“, zu dem Maja Matzke und Tobias Engelberg mit Tobias Klöden und Denis Heinrich zwei ausgewiesene DIN- und Normteile-Experten vors Mikrofon geholt haben.
DIN1 – es begann mit einem kleinen Kegelstift
Ein kurzer historischer Rückblick: Seit 1917 gibt es das Deutsche Institut für Normung (DIN) in Berlin, fast genauso lange die DIN-Norm. Angefangen hat alles mit "08/15", einem Maschinengewehr des deutschen Heeres, das 1908 gebaut und 1915 weiterentwickelt wurde und so seinen Namen erhielt. Als es im Ersten Weltkrieg zu Nachschubproblemen bei Ersatzteilen für das MG 08/15 kam und diese deshalb von immer mehr Firmen gefertigt wurden, gab das Militär den Waffenfabrikanten Normen vor. Sie sollten gewährleisten, dass die Einzelteile der verschiedenen Lieferanten zu einer funktionierenden Waffe zusammengebaut werden konnten. Eines dieser Normteile war ein kleiner Kegelstift, dessen Maße 1917 in der DIN 1 festgelegt wurde, die wiederum 84 Jahre gegolten hat und erst 1992 durch die DIN EN 22339 ersetzt wurde. Das erste Normteil war also ein C-Teil.
Erst die Normierung macht eine arbeitsteilige Industrie möglich
Heute stecken DIN- und Normteile in jeder Maschine. Gäbe es sie nicht, „dann müsste man bei jeder Schraube u.a. zum Gewinde die Steigung und Flankenhöhe, den Flankenwinkel und den Kerndurchmesser abfragen“, so Denis Heinrich. Damit aber noch lange nicht genug: Passen die Schraube zum Gegenstück und die Kopfform in die Bauraumsituation? Wie sieht es mit Tragfähigkeit, Antriebstiefe und Korrosionsschutz, sprich einer Beschichtung aus? Gibt es passendes Werkzeug?
Geometrische Form, Werkstoff, Festigkeitsklassen, Dehn- und Streckgrenzen etc. – eine Normierung beantwortet diese Fragen allgemeingültig. Tobias Klöden: „DIN- und Normteile sorgen für eine Vereinheitlichung an Schnittstellen und machen sowohl eine arbeitsteilige Industrie und die Herstellung in großen Mengen erst möglich. Jeder weiß, um welches Teil es geht.“
Laut Denis Heinrich geben Normen zudem „ein großes Stück Sicherheit in vielen sensiblen Anwendungen und Branchen mit einer steigenden Anzahl von Nachweispflichten wie in der Medizintechnik. Gerade auch mit Blick auf Beschichtungen, die man nicht mehr nachprüfen muss, sind Normen eine riesige Erleichterung im Prozess“.
Die Normierung ist die Basis für jeden Konstrukteur, die ihm den Zugriff auf die Standard-Sortimente verschiedener Anbieter erlaubt, Vergleichbarkeit des Preises inklusive. Dabei gelten DIN-Normen national in Deutschland, ISO-Normen international. Aber: Es können kleine Unterschiede in Toleranzen oder Abmessungen bestehen, was die Austauschbarkeit DIN durch ISO einschränkt.
Die Anzahl von DIN- und Normteilen in der Verbindungs- und Befestigungstechnik ist kaum überschaubar. So finden sich allein bei Bossard im E-Shop rund 46.000 Produkte – bei sehr vielen von ihnen wird neben der DIN- und der ISO- auch eine eigene Bossard-Norm BN aufgeführt, die wichtige Auskünfte zu Material, Oberfläche und Form gibt. Dazu gibt es zu jedem Teil nicht selten bis zu 30 unterschiedliche Oberflächen und 25 Funktionsbeschichtungen – und schließlich dürfen auch nicht „unsere Eigenentwicklungen, die ‚gewindefurchende Schraube aus martensitischem Edelstahl für Direktverschraubungen‘ nicht fehlen“, so Tobias Klöden.
Die Schraube als Design-Faktor
Wenn alles genormt ist, kann man dann nicht auf die entsprechenden Experten verzichten? Das Gegenteil ist der Fall, denn häufig sind DIN- und Normteile „wegen der Erfüllung vieler Vorgaben sogar komplexer als ein Zeichnungsteil“, wie Denis Heinrich im Podcast berichtet. Fast täglich sei seine Expertise angefragt, wenn ein Kunde wissen wolle, welche Schraube am besten zu seiner Anwendung passe, auf was man bei der Oberflächenbeschichtung achten solle oder ob und wie man Anpassungen an der Geometrie z.B. mit abgerundeten Köpfen vornehmen könne.
Die DIN 933 (ISO 4017) Sechskantschraube mit Vollgewinde ist neben der DIN 912 (ISO 4762) Zylinderkopfschraube mit Innensechskant die meistverkaufte Schraube der Welt. Warum er sich aber darüber freut, dass die ISO 14583 Linsenkopfschrauben die aktuell am meisten verkauften Schrauben im Bossard Sortiment sind, das verrät Denis Heinrich am Schluss eines „Bossard Expert Talk“, der mit Informationen aus der Praxis für die Praxis so dicht wie kaum ein anderer gepackt ist.
Oder um einen Kommentar eines Hörers zu zitieren: „Für mich ist es tatsächlich eine der überraschendsten Podcast-Folgen, bei dem sich ein – von mir irrtümlich als weniger spannend verortetes – Thema immer mehr zur Ingenieurs-Inspirationspackung entwickelte. Bravo!“

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